5 SHOWS ON OUR RADAR

Die Kuratorin Elodie Evers empfiehlt Ausstellungen im Rheinland und Umgebung

Anja Kirschner & David Panos, Uncanny Valley, 2013, HD Video, 10 Min. Courtesy die Künstler und Hollybush Gardens, London

Wessen Subjekt bin ich?
09. Mai -  02. August
Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf

Im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen in Düsseldorf, der kürzlich den ADKV-Art Cologne Preis für Kunstvereine 2015 erhalten hat, arbeitet man an der Fragestellung: Was kann das Format Ausstellung überhaupt leisten, wenn es um die Bearbeitung und Vermittlung komplexer theoretischer Themen geht? Soviel Kontinuität ist gut, weil sie die einzelnen Projekte in einen übergeordneten Zusammenhang stellt und ein starkes Profil hinter dem abwechslungsreichen Programm erkennen lässt.
Roy Huschenbeths Ausstellung „Wessen Subjekt bin ich?“ lädt ein darüber nachzudenken, welche Mechanismen heute – insbesondere in Hinblick auf die Entwicklungen der Informationstechnologie – Subjektivität produzieren. Schön zu sehen ist das beispielsweise anhand von Cécile B. Evans Arbeit, in der Chatbot Agnes von ihrer Angst berichtet, den digitalen Tod sterben zu müssen. Wer darf überhaupt Subjekt sein?

Grabbeplatz 4
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KEREN CYTTER: Quality Duration
08. März - 24. Mai
Studio for Propositional Cinema, Düsseldorf

Spätestens seitdem das Kunstkollektiv Studio for Propositional Cinema von Tanya Leighton repräsentiert wird, haben sich deren Aktivitäten herumgesprochen. In einem Hinterhof der Ackerstraße verfügt es seit kurzem über zwei Ausstellungsräume. Derzeit zu sehen ist Keren Cytters Einzelausstellung „Quality Time". Ein Raum ist ganz Art Project Era (A.P.E.) gewidmet, ein Projekt, das die Künstlerin mit zwei Kolleginnen gründete, um außerhalb institutioneller Strukturen Ideen zu verwirklichen. Dazu gehören auch die beiden neuen, hier ausgestellten Publikationen „The Worst of Keren Cytter" und „The Best of Keren Cytter". Beide Räume sind akustisch mit einem Babyphone verbunden. Die so zur Aufführung gebrachten Gesprächsfetzen des BesucherInnen Smalltalks könnten selbst einem der Filme entstammen die immer wieder um Sprache und (Un)verständnis kreisen. 

Ackerstraße 24
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COMMUNIQUÉ FROM THE DARK AGES
08. März - 01. Juni
Between Arrival and Departure, Düsseldorf

Im Projektraum „Between Arrival and Departure" zeigt wiederum das Studio for Propositional Cinema unter dem Titel „Communiqué from the Dark Ages" zwei Arbeiten, die dem Künstler-Manifest einen zeitgenössischen Twist verleihen. „In dark ages... look for us in the servers we will always be there" steht in roten Großbuchstaben auf der Fensterscheibe geschrieben, die man bereits von der trostlosen Einfahrt aus sieht. Drinnen liest sich die Schrift spiegelverkehrt. Der eigentliche Ausstellungsraum, ein winziger eingebauter Schrank, ist leer. „Our language, our images and our actions are dangerous & in danger. Spaces for speculative culture can exist any- & everywhere. We can be disappeared but never eradicated" heißt es auf einer kleinen Metallplakette an der Wand. Ein Kommentar auf die Ausstellungssituation, der gleichzeitig an das Verschwinden eben solcher erinnert. 

Aderstraße 78
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ANNE TERESA DE KEERSMAEKERS: Work/Travail/Arbeid
20. März - 17. Mai
Wiels, Brüssel

In Brüssel sollte man sich unbedingt das Projekt „Work/Travail/Arbeid“ der belgischen Choreografin Anne Teresa de Keersmaekers im WIELS anschauen. Dabei handelt es sich um ein bestehendes Tanzstück, welches für die Bedingungen einer Kunstinstitution adaptiert wurde. Wie kann eine Choreografie mit ihrem spezifischen Verhältnis zu Zeit, Raum und Publikum als Ausstellung funktionieren, die täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet ist? Die Virtuosität der Performer drückt sich hier nicht in einem besonders artikulierten tänzerischen Vokabular aus, sondern in ganz einfachen Bewegungsabläufen, die durch die Entfaltung in der Zeit etwas Rituelles bekommen. Das Format Ausstellung ermöglicht durch die Aufhebung der Frontalität des Theaters und des fixierten Raums zwischen Zuschauer und Performer eine gänzlich neue Erfahrung der Arbeit.

Avenue Van Volxem 354
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GARETH MOORE: A Burning Bag as a Smoke Grey Lotus
23. April - 20. Juni
La Loge, Brüssel

Performativ ist auch Gareth Moores Ausstellung „A Burning Bag as a Smoke Grey Lotus" bei La Loge in Brüssel. Die Wände des früheren Freimaurer Tempels hat er mit Tinte, Rattengift, Öl und Fischfutter „gestrichen“, Materialien also, die Tiere produzieren, sie umbringen oder am Leben erhalten. Davor ist U-förmig eine umzäunte Bühne aus Erde aufgetürmt, auf der sich aus Alltagsmaterialien gebaute, improvisierte Instrumente befinden, die Tier- und Naturgeräusche erzeugen. Auf ihnen spielen Performer eine Art Wildlife-Komposition die nach Lockjagd klingt. Die Schönheit und Ambivalenz des ehemaligen Ritualraums des Logenhauses unterstreicht Gareth mit einem von David Hockney inspirierten Set-Design und entwirft ein Ritual, bei dem die Menschen in Käfigen sitzen. Ein Instrument heißt Diogenes. Der Mensch als Hund – er bleibt seinem Thema treu.     

Kluisstraat - rue de l’Ermitage 86
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Elodie Evers ist Kuratorin an der Kunsthalle Düsseldorf. Dort arbeitete sie unter anderen mit Ian Cheng, Wu Tsang, Jordan Wolfson, Channa Horwitz, Guy de Cointet, Joao Maria Gusmao und Pedro Paiva, Hans-Peter Feldmann und konzipierte Gruppenausstellungen wie „Smart New World" und „Leben mit Pop. Eine Reproduktion des Kapitalistischen Realismus". 2015 initiierte sie „facetime", eine Projektreihe, die performative Arbeiten von KünstlerInnen an wechselnden Orten zur Aufführung bringt.