Q/A Ei Arakawa

Warum machst du Performances mit Malereien?
 Photo: eSeL.at

Malereien blicken auf uns zurück. Wenn ich Leinwände trage, tritt der Performer (ich) in den Hintergrund. Plötzlich bemerken die Zuschauer, dass sie es sind, die angeschaut werden. Diese Umkehrung ist einer der Effekte, warum mir das Tragen von Malerei gefällt. In einer Zeit des Hypes und der Institutionalisierung von Performance geben mir die Arbeiten anderer Künstler – besonders Malereien – neue Möglichkeiten und Beziehungen zwischen Performance, Objekten und Bildern herzustellen. Ich bin jemand, der immer performen muss. Und wenn ich mit Malereien performe, bin ich gezwungen eine Beziehung zum Objekthaften aufzubauen. Es ist auch eine Möglichkeit, die Performance auf den Raum auszudehnen, den die Malerei bewohnt: die senkrechte Wand der Galerie oder des Museums. Performance ist in ihrer Durchführung und Wirkung sehr unmittelbar. Die Wirkung von Malerei kann zwar auch direkt sein, doch gehört zu ihrem Entstehen meist auch die Langsamkeit und die Abgeschiedenheit des Ateliers. Ich bewundere die psychologische Tiefe des Ateliers, wenn ich Malereien sehe. Das unterscheidet sich sehr stark davon, wie ich meine Performances anlege.

Als ich am Bard College studierte, schlich ich mich oft ins Institut für Malerei, wo Amy Sillman, Stephen Westfall, Jutta Koether, Blake Rayne und Cheyney Thompson unterrichteten.

Dort wurde über alle Aspekte von Malerei und darüberhinaus diskutiert, sie waren die kommunikativsten Lehrer in dieser interdisziplinären Welt. Trotzdem ist mir der Malereidiskurs fremd und rätselhaft. Das ist auf eine Art etwas Gutes – es führt dazu, dass ich mich ständig frage, warum eigentlich. Eine Malerei zu beschreiben finde ich sehr schwierig. Ich lerne immer noch mit dieser Herausforderung umzugehen. Das ist einer meiner Antriebe, mit Malereien zu arbeiten. Auch wenn ich selbst nicht male, kann ich vielleicht aus meiner periphären Position heraus ein Verhältnis zur Geschichte und Kultur der Malerei entwickeln.

Malereien wie Kleidung zu tragen war Amy Sillmans Idee für eine Veranstaltung, die ich in Zusammenhang mit der Gutai-Ausstellung am Guggenheim in New York organisierte. Sie verwendete jede einzelne Seite des dicken Katalogs, um einfache Scherenschnitt-Kleider damit zu machen. Sie überarbeitete die darin abgebildeten Werke mit verschiedenen gestischen Zeichen in schwarzer Tinte. Es war eine kollektive Erfahrung. Aus den Körpern der Teilnehmer wurden Malereien, die sich durch die Rotunde des Guggenheim bewegten. Amy findet Hélio Oiticica toll. Unsere Performance hatte eine ähnliche Leichtigkeit in diesem schweren institutionellen Setting. 

Aus dem Amerikanischen von Christian Kobald

Ei Arakawa (*1977) ist für Performancearbeiten bekannt, die an historische Vorbilder wie Fluxus, die japanischen Avantgardegruppen Gutai oder Jikken Kobo anknüpfen. Die improvisiert wirkenden Choreografien entstehen in enger Zusammenarbeit mit befreundeten Künstlern und lassen den Status von Akteur, Publikum und Objekt offen. Ei Arakawa lebt in New York. Zu seinen jüngeren Ausstellungsbeteiligungen zählen die Whitney Biennial 2014, die Carnegie International 2013, und der georgische Pavillon bei der Venedig Biennale 2013.