Discourse

Rob Horning taucht in die Virtual-Reality-App der New York Times ein, die ihn ins Weltall, ins Kampfgebiet von Falludscha oder in Ateliers von Künstlern führt – doch was er dort eigentlich soll, weiß er nicht so recht.

Georg Dickmann über Armen Avanessians neues Buch „Miamification“

 © Gerhard Richter 2016 (21112016)

© Gerhard Richter 2016 (21112016)

Nicolaus Schafhausen, Direktor der Kunsthalle Wien, über Gerhard Richters „Spiegel“ (1981)

Was hat Freuds Fall Dora mit den Kardashians zu tun? Chiara Bottici und Jamieson Webster über eine alte und eine neue Seifenoper. 

 Photo: Guy Ferrandis / SBS Productions

Photo: Guy Ferrandis / SBS Productions

Sarah Nicole Prickett über Paul Verhoevens neuen Film „Elle“

 JODI.ORG, 1995  www, browser

4 Hypothesen von Domenico Quaranta und Antworten von den Protagonisten UBERMORGEN, JODI, Vuk Cosic, und Olia Lialina.

 _______INSERT_______ Screenshot von „Brandon", 1998

Screenshot von „Brandon", 1998

Claire L. Evans über „Brandon", eine bahnbrechende Arbeit des Cyberfeminismus von Shu Lea Cheang aus 1998

Verändern sich die Präsentationsbedingungen von Kunst im digitalen Zeitalter? Was könnte die Zukunft der Ausstellung sein? Die Kunsthalle Wien hat mit „L’Exposition imaginaire“ eine Antwort versucht. Das zweimonatige Projekt soll ein Film, ein Symposium, eine Vortragsreihe - nur keine Ausstellung sein.  

Was bedeutet heute Schönheit? Und wie zerstört man sie? Der Regisseur von „Drive“ installiert in seinem neuesten Film eine totalitäre, vormoderne Variante von Beauty und ergötzt sich an sich selbst. 

 Julia Scher Surveillance Bed III, 1994 180 x 240 x 180 cm

Julia Scher
Surveillance Bed III, 1994
180 x 240 x 180 cm

Transparenz ist längst nicht mehr die Zauberformel, die zu mehr Freiheit führt. Ganz im Gegenteil. Wir müssen, um ein Stück Menschlichkeit und Freiheit zurückzugewinnen, zu unseren eigenen Zensoren werden. Barbara Casavecchia findet in verschiedenen künstlerischen Arbeiten der letzten Jahre die Bausteine für eine neue Kultur des Schweigens.

 Foto: Erich Goldmann  

Foto: Erich Goldmann
 

Das Stück „Us Dogs/Wir Hunde“ von Signa bei den Wiener Festwochen entwirft ganz neue alternative Lebensformen.

 Thousand Islands Thousand Laws, 2013  Live-Simulation, Ton, Dauer unbegrenzt Courtesy of the artist, Pilar Corrias Gallery, Standard (Oslo)

Thousand Islands Thousand Laws, 2013 
Live-Simulation, Ton, Dauer unbegrenzt
Courtesy of the artist, Pilar Corrias Gallery, Standard (Oslo)

Figuren fallen durcheinander, Kraniche fliegen auf, halb fertig gerechnete Hunde streunen durch zerfetzte Computerspiel-Landschaften. Egal wie lange man vor den Videoinstallationen von Ian Cheng steht, man kommt der Logik des Geschehens nicht auf die Spur. Auch der Künstler selbst weiß vorher nicht, wie sich seine Simulationen entwickeln werden. Er legt nur die Parameter fest: ein virtuelles Ökosystem und Charaktere, die teils nach Skript agieren, teils per Zufall. Die Arbeiten scheinen vor allem mit sich selbst beschäftigt zu sein, und das wirft einige Fragen auf. Gianni Jetzer traf den in New York lebenden Künstler zum Gespräch.

Fulvia Carnevale, Teil des Pariser Künstlerkollektivs Claire Fontaine, und der Theoretiker Rory Rowan be­ klagen sich. Kunst wird immer mehr zum Job, es bleibt zu wenig Zeit fürs Denken, und Künstler müssen sich wie Rockstars verhalten um den Sammlern zu gefallen. Gibt es noch Hoffnung?

 The Pink Detachment Forum Expanded 2016 USA 2015 von: Jen Liu © Jen Liu

The Pink Detachment
Forum Expanded 2016
USA 2015
von: Jen Liu
© Jen Liu

Warum auf der Berlinale vor allem die Dokumentarfilme so hervorstechen?

 Ausstellungsansicht Portikus Frankfurt am Main 2013  Photo: Helena Schlichting Courtesy Portikus

Ausstellungsansicht Portikus
Frankfurt am Main 2013 
Photo: Helena Schlichting

Courtesy Portikus

Berührende Requiems, schwarzer feministischer Humor und raumgreifende Installationen, die eine leidenschaftliche Offenheit, Empathie und Menschlichkeit ausdrücken. Die kalifornische Künstlerin Lutz Bacher meidet Handschrift zugunsten künstlerischer Widerborstigkeit.

 Hans Haacke Condensation Cube , 1963–65 © Generali Foundation / VBK, Wien 2013 Photo: Werner Kaligofs

Hans Haacke
Kondensationswürfel 
1963–65 
© Generali Foundation / VBK, Wien 2013
Photo: Werner Kaligofsky

 MSGM, SS16 menswear

MSGM, SS16 menswear

Ein Hemd, ein T-Shirt, ein Rock: Kleidung ist immer körperhaft. Doch einige aktuelle Kollektionen haben neue Strategien der Dematerialisierung in die Welt der Mode gebracht und die Trennung von Objekt und Bild aufgehoben. Michele D’Aurizio erklärt.

 Das documenta-Team: Peter Iden, Arnold Bode, Harald Szeemann, Bazon Brock, Jean-Christophe Ammann, Ingolf Bauer Photo: © documenta Archiv

Das documenta-Team: Peter Iden, Arnold Bode,
Harald Szeemann, Bazon Brock, Jean-Christophe Ammann, Ingolf Bauer Photo: © documenta Archiv

Harald Szeemanns documenta 5 zählt zu den wichtigsten Ausstellungen überhaupt. Kaum bekannt ist dagegen das ursprüngliche Konzept, das sich im Geist von 1968 radikal gegen Kunst als Besitz wandte. Statt dem musealen Objekt stand das kollektive Ereignis im Mittelpunkt. Bazon Brock, damals Mitglied in Szeemanns Team, über eine Ausstellung, die so nie statt gefunden hat.

 Installationsansicht „Temporama“, MAM Rio, 2015 Foto: Paulo Jabur

Installationsansicht
„Temporama“, MAM Rio, 2015
Foto: Paulo Jabur

Seit Mitte der 1980er Jahre arbeitet die französische Künstlerin Dominique Gonzalez-Foerster mit Film, Fotografie, Installation und Environments, die den Betrachter in unheimliche, traumhafte Szenarien aus der Vergangenheit oder der Zukunft versetzen. In letzter Zeit entwickelte sie Performances, in denen sie König Ludwig II, Bob Dylan, Vera Nabokov oder Fitzcarraldo darstellte. Vor der Eröffnung ihrer Retrospektive im Centre Pompidou in Paris spricht sie mit Oliver Basciano über das Durchmischen von Zeiten, die Begegnung mit Gespenstern und warum sich ihre Kunst gegen das Theater richtet.

 Alfred Johansen Untitled , 1966 Silbergelatinabzüge Courtesy Alfred Johansen Estate, Odense

Alfred Johansen
Untitled, 1966
Silbergelatinabzüge
Courtesy Alfred Johansen Estate, Odense

 O.T. , 2007 Papiermaché, Farbe, Metall Foto: Atelier West Alle Abbildungen: Courtesy Galerie Meyer Kainer

O.T., 2007
Papiermaché, Farbe, Metall
Foto: Atelier West
Alle Abbildungen: Courtesy Galerie Meyer Kainer

Wie entsteht Kunst? Entsteht sie willentlich, oder ist der Künstler Handlanger der Erfordernisse? Ein Interview von Andreas Reiter Raabe

 Fotobeitrag von Darren Bader

Fotobeitrag von Darren Bader

“Haltbarkeit ist immer ein Thema – ich sehe nicht gerne die Grapefruits schrumpelig werden”, sagt der amerikanische Künstler Darren Bader im E-Mail-Gespräch mit dem Kritiker Bruce Hainley. Über Nahrungsmittel in der Kunst, Zeitgeist, die Tiefe des ganz Alten und schlechte Kuratoren.

 Eating the Wall Street Journal (3rd version) , 2000, Installation mit Performance SculptureCenter New York Alle Abbildungen: Courtesy of the artist and Mitchell-Innes & Nash, NY. © Pope.L

Eating the Wall Street Journal (3rd version), 2000, Installation mit Performance SculptureCenter New York
Alle Abbildungen: Courtesy der Künstler und Mitchell-Innes & Nash, NY. © Pope.L

Er nannte sich den „freundlichsten schwarzen Künstler Amerikas“. Er verspeiste Stück für Stück das Wall Street Journal und kroch auf allen Vieren den ganzen Broadway hinauf: Der US-amerikanische Künstler William Pope.L übt genau dort Druck aus, wo schwarze Identität und Kapitalismus im amerikanischen Unbewussten aufeinander treffen. Adrienne Edwards über Pope.Ls Strategien der Erniedrigung, des Spiels und der Prekarität.

 AP News

AP News

Es ist schwer zu sagen, was Tobias Madison eigentlich macht. Der Schweizer Künstler pendelt auf ganz eigene Weise zwischen Verweigerung und Teilnahme, Entzug und Entblößung, Community-Spirit und Outsourcing-Kalkül. Damit arbeitet er an den Rändern der Formate entlang, die er vorfindet – des Werks, der Ausstellung, aber auch der Figur des „jungen“ Künstlers.

 From left to right: Alexander Scrimgeour, Contant Dullaart and Toke Lykkeberg. Photo: Rita Vitorelli

Links bis Rechts: Alexander Scrimgeour, Contant Dullaart und Toke Lykkeberg.
Foto: Rita Vitorelli

Der Künstler Constant Dullaart will einen Traum verwirklichen. Kurator Toke Lykkeberg will die Welt zeigen, wie sie ist. Der eine hat eine Firma gegründet, der andere hat die kommerzielle Ästhetik des Alltags ins Musée d’Art Modern de la Ville de Paris gebracht. Was ist die Rolle des Künstlers in der Start-up-Kultur? Erleben wir eine Rematerialisierung des Kunstobjekts?

 Chus Martínez Foto: nici jost photography

Chus Martínez
Foto: nici jost photography

Wie kann Kunst neue kulturelle Formen schaffen?

 Cady Noland ist ein Paradebeispiel für den Ausstieg aus der Kunstwelt, aber ihre Arbeiten zu den gewalttätigen Seiten Amerikas aus den 80ern und 90ern sprechen weiter zu uns. Das ist „Tanya“, benannt nach dem Pseudonym, das sich William Randolph Hearsts Enkelin gab, als sie der Symbionese Liberation Army beitrat, von der sie vorher gekidnappt worden war.  

Cady Noland ist ein Paradebeispiel für den Ausstieg aus der Kunstwelt, aber ihre Arbeiten zu den gewalttätigen Seiten Amerikas aus den 80ern und 90ern sprechen weiter zu uns. Das ist „Tanya“, benannt nach dem Pseudonym, das sich William Randolph Hearsts Enkelin gab, als sie der Symbionese Liberation Army beitrat, von der sie vorher gekidnappt worden war.

 

Seit der Mensch nicht mehr im Mittelpunkt der Geschichte steht, sondern Netzwerke und Systeme, stellt sich die alte Frage „Was tun?" neu. Nie war es schwieriger, sich die Regeln für das eigene Handeln selbst zu schreiben als jetzt. Wie weitermachen? Akzeleration oder Ausstieg? Beides falsche Alternativen, findet Lars Bang Larsen und sucht nach neuen, fluiden Handlungsformen.

5000 Feet is the Best, 2011
Digitalfilm, 30 Min.

Die perfekt gearbeiteten, tief verunsichernden Filme Omer Fasts umkreisen traumatische Erfahrungen von Geflüchteten, Kriegsheimkehrern und Drohnenpiloten. Im ständigen Wechselspiel von Immersion und Verfremdung wenden sie die filmische Illusion gegen sich selbst.

 Armen Avanessian Foto: Dirk Skiba

Armen Avanessian
Foto: Dirk Skiba

Wie kann Theorie in der Welt wirksam sein? Für Armen Avanessian nur durch Beschleuni­gung. Mit Büchern und Konferenzen zu Akze­lerationismus und Spekulativem Realismus versucht er das philosophische Denken aus den Beschränkungen der Universität zu be­freien und die Linke auf Augenhöhe mit dem Finanzkapitalismus zu bringen – neuerdings auch mit Mitteln des Kunstfilms. Was ver­spricht sich der Philosoph von der Kunst?


Ein Album als Beitrag über die Paradoxien von Popmusik. ‚Nothing‘ von Kode9, einem Erfinder des Dubsteps, ist ein wundersames Album gegen Akzeleration, gegen Entschleunigung, aber für die Hoffnung, dass es ein Weiter gibt.

 Foto: Andrea Tietz

Foto: Andrea Tietz

Fast ist Weihnachten, im Hause Kardashian/West wurde ein Engel geboren, und in Berlin erschien Julian Assange einem Theaterpublikum, das danach alle Hoffnung fahren lassen musste. Der Wikileaks-Gründer stand einmal für einen neuen alternativen Kampf, den niemand mehr für möglich gehalten hatte, nun sieht er tiefschwarz für die Welt.

 Quasi Una Spirale , 2008 Acryl auf Leinwand Courtesy der Künstler und Casey Kaplan, New York Foto: Jean Vong

Quasi Una Spirale, 2008
Acryl auf Leinwand
Courtesy der Künstler und Casey Kaplan, New York
Foto: Jean Vong

Warum interessiert man sich gerade jetzt für das Werk Giorgio Griffas? Vielleicht weil er mit seriellen Gesten und ungrundiert an die Wand genagelten Leinwänden schon um 1970 viel von dem vorwegnahm, was die heutige Malerei umtreibt. Eva Fabbris erzählt die Entwicklung dieser Ausnahmeposition zwischen Konzeptkunst und Arte Povera.

 Ein Künstleratelier, Frankfurt,  2015  Foto: Maurin Dietrich

Ein Künstleratelier, 2015 

Nicolaus Schafhausen und Philippe Pirotte sprechen über die ideale Kunstakademie

 Portrait Nicolas Party Photo: Christophe Coënon

Portrait Nicolas Party
Foto: Christophe Coënon

„Wenn man auf einem Elefanten sitzt, verhält man sich anders“ Die Technik mag sich weiterentwickeln, aber die Kunst wird nicht besser, sagt Nicolas Party. Gelassen und ohne Ironie arbeitet er an einem der eigenwilligsten Werke in der jüngeren Malerei. Ein Gespräch mit Rita Vitorelli über das Naive, die Langsamkeit von Materie und die Vorzüge der menschlichen Hand.

 Spike Berlin, 2015

Spike Berlin, 2015

Es ist zur leicht dahin geworfenen Floskel geworden, dass jeder vom Broker bis zum Uber-Fahrer, nach dem Modell des Künstlers beschäftigt sei. Und ständig hört man vom Schwinden der Grenzen der Kunst gegenüber Pop und Creative Industries. Was unterscheidet den Künstler vom Nicht-Künstler? Was unterscheidet das Kunstwerk von anderen Objekten? Eine Diskussion mit der Künstlerin Natascha Sadr Haghighian, dem Künstler Simon Denny und dem Ausstellungsmacher und Galeristen Alexander Koch, moderiert von Kolja Reichert.

„Ich habe um Hilfe gerufen. Es kamen Tierschreie zurück.“ Mit diesem Stück und dem fantastischen Fabian Hinrichs in der Hauptrolle eröffnete im Theater Hebbel am Ufer das Festival „Marx’Gespenster“. Gleich danach geht unser Autor ins Kino, um den neuen James Bond anzuschauen. Er findet verblüffende Parallelen, neue Erzfeinde und keine Liebe in Zeiten des Kapitalismus.

Rainald Goetz hat sich versungen, ein Wiener Rapper wird als Maler überführt, Wanda ist noch immer doof und die Künstlerin Anne Imhof macht Grunge-Performances. Und wenn jemand fragt, wofür die Jugend in 2015 steht, dann sag ab heute nicht mehr Biedermeier und Zielstrebigkeit.

 SPIKE BERLIN, 6 pm Marcus Geiger, o.T., Tisch , 2006–1014 Tischplatte, 2 Holzböcke, 4 Stühle, Filzteppich

SPIKE BERLIN, 6 pm
Marcus Geiger, o.T., Tisch, 2006–2014, Tischplatte, 2 Holzböcke, 4 Stühle, Filzteppich

Wie kommt es, dass aktuelle Kunst oft geschichtslos wirkt? Welche Bedeutung hat Kunstgeschichte für Post-Internet Art? Verändert sich durch die beschleunigte Zirkulation von Bildern, Geld und Daten der historische Orientierungssinn? Welche Rolle bleibt dem Kunstobjekt? Kolja Reichert diskutierte in unseren neuen Berliner Räumen mit der Künstlerin und Essayistin Hito Steyerl, der Kunsthistorikerin Susanne von Falkenhausen sowie zwei der vier Kuratoren der Berlin Biennale 2016: Lauren Boyle und Marco Roso vom Kollektiv DIS.

Der 1973 geborene Matias Faldbakken wurde als Schriftsteller mit seinem Roman »The Cocka Hola Company« (2001) bekannt, der erste Band der Trilogie »Skandinavische Misanthropie«. Der offenen Gesellschaftskritik seiner Bücher steht die bewusste Hermetik seiner künstlerischen Arbeiten gegenüber, in denen er gefundene Materialien zu »negativistische Gesten« in Form von Skulpturen und Malereien umarbeitet. Oft sind es Fliesen, Beton, Zugbänder, Spinde, oder Pappe, wie in einer jüngeren Serie zusammengefalteter und gerahmter Schachteln. Die »ästhetischen Produkte« in seinen Ausstellungen sind, wie Faldbakken sagt, »Nebenerscheinungen einer künstlerischen Strategie, die vorhandene Möglichkeiten der Distanzierung nutzt«. Hier wählt er fünf Künstler und Autoren aus, deren Arbeit er schätzt.

 Turbo Sculpture , 2010-2013

Turbo Sculpture, 2010-2013

Es galt die Ausstellung der Künstlerin Aleksandra Domanović auf einer griechischen Insel zu besuchen. Das versprach gute Kunst und ein bisschen Urlaub. Doch plötzlich kippte etwas, für den Spike-Redakteur begann im August eine neue Zeitrechnung, die noch lange wirken wird.

 „Shanzhai Biennial No. 1“, Beijing Design Week, 2012, mixed media

„Shanzhai Biennial No. 1“, Beijing Design Week, 2012, mixed media

Fragen rund um Appropriation waren nie einfach, aber das New Yorker Künstlerkollektiv Shanzhai Biennial benutzt die Strategie der Kopie – oder besser: die Kopie einer Strategie –, um sich einer allzu einfachen Kategorisierung, sei es Parodie, Maskerade, Parasitismus oder Kritik zu entziehen. Ihre Arbeiten werfen Fragen zum Spektakel, zur Globalisierung und zum Branding auf und zwingen uns, wie Harry Burke argumentiert, das Verhältnis zwischen Kunst und Image neu zu denken.

 © JU / Ruhrtriennale

© JU / Ruhrtriennale

Die Regisseurin Susanne Kennedy zeigt in Berlin ihre Performance „Orfeo“ und dreht dabei an den herrschenden Geschlechterverhältnissen und den Künstlermythos durch den Wolf. Am Ende ist Stille. 

 Marianne Vlaschits MALIBU MOONRISE, 2012/2015 Installationsansicht, Detail  Photo Timo Ohler  

Marianne Vlaschits
MALIBU MOONRISE, 2012/2015
Installationsansicht, Detail 
Photo Timo Ohler

 

Ich bin sehr schlecht mit solchen Lieblingslisten, aber diese Künstler bedeuten mir wirklich viel, und man wird sehr leicht ihren Einfluss auf mein Denken erkennen.

Foto: Benoit Maire

Ist die ganze Welt Bühne?

 Karl Owe Knausgaard von  André Løyning

Karl Owe Knausgård von André Løyning

Geht man von der Annahme aus, dass man bekommt, was man verdient, dann gilt es die Romane des Norwegers Karl Ove Knausgård zu lesen. Sie sind lang und sehr langweilig und der genaue Ausdruck unserer Zeit. Timo Feldhaus über den Neuesten Band „Träumen“

Wie hat das Internet verändert, was ein Ereignis ist?

Vladimir Putin, HC Strache, Klaus Theweleit. Ein Tag, viele Männer.

 Dawn of the dead, filmstill, 1978

Dawn of the dead, filmstill, 1978

Zeitgenössische Abstraktion bedient sich blind an der Kunstgeschichte, sieht meistens gleich aus und passt vor allem gut über’s Sofa – so der Vorwurf in Walter Robinsons Begriff des „Zombie Formalismus“. Vielleicht hat aber auch nur die Kunstkritik verlernt, genau hinzusehen? Travis Jeppesen verteidigt die jahrhundertealte Abstraktion gegen ihre Gegner und spielt den Ball zurück: Es sei Zeit, dass sich Kritiker wieder auf ihren Gegenstand einlassen und eine neue Sprache für Malerei finden.

 Ernst Ludwig Kirchner, Philipp Harth, Pablo Picasso

Ernst Ludwig Kirchner, Philipp Harth, Pablo Picasso; © bpk / Staatliche Museen zu Berlin, Zentralarchiv

Hans-Jürgen Hafner über die Berliner Galerie der Lebenden, wo 1919 die moderne Ausstellung miterfunden wurde.

 „Keiner findet sich schön“, Volksbühne; © LSD/ Lenore Blievernicht; Bühne : Bert Neumann, Kostüm: Tabea Braun

„Keiner findet sich schön“, Volksbühne;
© LSD/ Lenore Blievernicht; Bühne: Bert Neumann, Kostüm: Tabea Braun

Vor der Sommerpause konzentrierte sich das nach Erlebnissen gierende Berliner Theaterpublikum auf zwei Ereignisse: Tino Sehgals „This Progress“ und das neue Stück von René Pollesch. Wir haben beide ausprobiert, mit überraschendem Ausgang

 Guy Debord, Michèle Bernstein & Asger Jorn, 1961

Guy Debord, Michèle Bernstein & Asger Jorn, 1961

Eine Gruppe von Künstlern, Dichtern und Filmemachern gründete 1957 in Paris die Situationistische Internationale. Michèle Bernstein war eine der wenigen Frauen unter ihnen. 1960, als sie mit deren führendem Theoretiker Guy Debord verheiratet war, schrieb sie den Roman „Alle Pferde des Königs“, um die Kriegskassen der jungen Organisation zu füllen. Die sentimentale Romanze über die Affären der Intellektuellen in Paris persiflierte Françoise Sagans „Bonjour Tristesse“ und wurde zum Erfolg. Christian Egger über das vor kurzem ins Deutsche übersetzte Buch.

 "Untitled", 2012; Öl, Papier auf Leinwand, 230 x 180 cm

"Untitled", 2012; Öl, Papier auf Leinwand, 230 x 180 cm; 
© Albert Oehlen, Courtesy Gagosian Gallery; Photo: Lothar Schnepf

Wie kaum ein anderer Künstler setzt Albert Oehlen die Malerei einem Stresstest aus. Seit über 30 Jahren arbeitet er am Quellcode des Mediums: Farbe, Auftrag, Linie und Schichtung, Titel und Triumphe, Enttäuschungen und Erwartungen werden gegeneinander ausgespielt, so dass sie sich selbst auf dem falschen Fuß erwischen. Daniel Baumann führt einmal durch das ganze Werk.

   I am an artwork and I am 3 years old ,  2004 Acryl auf Wand und Box  Courtesy die Künstlerin und kaufmann repetto, Milan/New York

 

I am an artwork and I am 3 years old,  2004
Acryl auf Wand und Box 
Courtesy die Künstlerin und
kaufmann repetto, Milan/New York

Lily van der Stokkers Wandmalereien und Installationen spielen mit dem Dekorativen, dem Netten und Mädchenhaften. Klatsch und Tratsch, Celebrityfreunde, der ewig dreckige Haushalt – die Museumswand wird zum Tagebuch voller bunter Blumen und Wolken. Damit hat die Künstlerin nicht nur einen eigenen Umgang mit Bild und Sprache entwickelt, sondern auch eine feministische Strategie: „Nonshouting Feminism“, wie sie es nennt.

Wie verändern digitale Bilder die Malerei?

 Drawing by Dan Perjovich for Spike

Zeichnung von Dan Perjovich für Spike

Die wachsende Klassengesellschaft in der Kunstwelt und die immer neuen Rekordpreise, die für zeitgenössische Werke gezahlt werden, gefährden das Glaubenssystem der Kunst – fürchten viele. Warum macht sich keiner Sorgen um das Geld? Ist es nicht das Geld, das in den Auktionen seine Freiheit feiert, seine Entbindung von der Last des Vergleichs? Ist Kunst das neue Geld? Über eine Währung, die von der Bank der Blicke lebt, in die wir alle einzahlen.

„Ex Machina" beschreibt den Aufbruch in die Robotergesellschaft. Aber warum interessieren wir uns gerade heute für die Ideen und Produkte von Menschenabschaffern und Maschinenanbetern?

Auf der Aktion „Kunst und Revolution“ im Juni 1968, als die Wiener Aktionisten im Hörsaal 1 der Uni Wien urinierten, masturbierten und kotzten, hielt der 32-jährige Oswald Wiener begleitend eine Rede über das Verhältnis von Sprache und Denken. Ein Jahr später erschien die literarische Montage „die verbesserung von mitteleuropa. roman“. Mit ihren Ausführungen zu Linguistik und Kybernetik liest sie sich heute als verblüffende Vorwegnahme von Internet und Virtual Reality. Später wandte sich Wiener dem Dandy zu, der in der Kultivierung der Selbstbeobachtung den Unterschied zur Maschine wahrt. Hans-Christian Dany besuchte ihn in der Steiermark und sprach mit ihm über den eigenartigen Stillstand in Kunst und Wissenschaft im digitalen Zeitalter.

 "There and Back“, Skånes Konstförening, Malmö 2010

"There and Back“, Skånes Konstförening, Malmö 2010

Portrait Christian Falsnaes

 Helen Hester (Mitte), Armen Avanessian (rechts)

Helen Hester (Mitte), Armen Avanessian (rechts)

Das unfassbare Manifest des Xenofeminismus

 Gavin Brown (links) und Daniel Baumann (rechts)

Gavin Brown (links) und Daniel Baumann (rechts)

Der New Yorker Galerist Gavin Brown und der Schweizer Kurator Daniel Baumann versuchen sich einer unromantischen Betrachtung des Kunstmarktes. Das ist gleichzeitig deprimierend, unterhaltend und lehrreich. Auf in den Niedergang der Zukunft!

Es ist der Auftaktfilm einer neuen Mad Max-Trilogie: Tom Hardy beerbt Mel Gibson und bekommt mit Charlize Theron eine Partnerin zur Seite gestellt. Aber eigentlich spielt das keine Rolle, denn Regisseur George Miller interessiert sich vor allem für die Dinge. Und für Action als ewigen Zustand.

 Foto: Johannes Worsøe Berg

Foto: Johannes Worsøe Berg

Der in New York lebende norwegische Künstler arbeitet mit großen Themen – Gewalt, Sexualität, Zerstörung, Alter, Selbstausdruck. Seine Ausstellungen sind ausufernde Installationen aus Malerei, Skulptur, Readymades, Fotografie und Beiträgen von befreundeten Künstlern, Designern oder Schriftstellern. Jennifer Krasinski spricht mit ihm über die Dimension des Visuellen im Schreiben, schwule Todessehnsucht und die Irrelevanz der
Relevanz.

 Empfang der Bergen Assembly auf Guidecca

Empfang der Bergen Assembly auf Guidecca

Eissalat im Datenpark

 Kathy Acker at 26th Studio, New York 1990

Kathy Acker im 26th Studio, New York 1990

Chris Kraus über das erneute Interesse an dieser kontroversen Ikone des Punk.

 Credit: Manuel Brinbacher

Credit: Manuel Birnbacher

Fragen und Antworten zum „Kongress der Möglichkeiten" in Berlin

 Die Volksbühne, heute, 29.4.2015, verkauft

Die Volksbühne, heute, 29.4.2015, verkauft

Nach dem König der Kurator. Plötzlich wird eine längst zu den Akten gelegte Frage wieder akut: Was machen wir mit Mitte? Ein Spaziergang.

Ein Pamphlet für das Reden vor der Kunst

 Moussa Ag Assarid & Mazou Ibrahim Touré; Foto: Lidia Rossner

Moussa Ag Assarid & Mazou Ibrahim Touré; Foto: Lidia Rossner

The National Movement for the Liberation of Azawad

 Pieter Bruegel der Ältere, Das Schlaraffenland, 1567 Öl auf Holz, 52 x 78 cm

Pieter Bruegel der Ältere, Das Schlaraffenland, 1567
Öl auf Holz, 52 x 78 cm

Aus Martin Kippenbergers Entwurf einer Kunst, die ihre soziale Eingebundenheit reflektiert, ist eine Kunstwelt geworden, die alles integriert. Was passiert, wenn sich das Werk im Kontext auflöst und die Werkform zur Lebensform wird?

 Björn Braun, Untitled (zebra finch nest), 2013 Naturfasten, Federn, Plastikblumen 12 x 14 x 15 cm Foto: Nils Klinger

Björn Braun, Untitled (zebra finch nest), 2013
Naturfasten, Federn, Plastikblumen
12 x 14 x 15 cm
Foto: Nils Klinger

 Photos: Marco Schibig, Kunsthalle Bern

Photos: Marco Schibig, Kunsthalle Bern

1997 eröffnete die Kunsthalle Bern "Blues and the Abstract Truth", eine Einzelausstellung des US-amerikanischen Künstlers David Hammons. Der damals 54-Jährige richtete mit sparsamen Mitteln eine "unverkäufliche" Ausstellung ein: "Die Leute sollten nicht glauben, dass man irgendetwas nach Hause nehmen könnte." (Hammons). Im Rückblick erschließen sich weitere Bedeutungen dieser Ausstellung, die im Moment des Besuchs vor allem durch ihre Atmosphäre beeindruckte, wie Daniel Baumann schreibt.

 Werner Herzog, Screenshots aus „Die Höhle der verlorenen Träume“, 2010, 90 min.

Werner Herzog, Screenshots aus „Die Höhle der verlorenen Träume“, 2010, 90 min.

Werner Herzog durfte 2010 als einer der wenigen die gerade wiederentdeckte südfranzösische Höhle von Chauvet betreten. In nur sechs Tagen drehte er einen grandiosen Dokumentarfilm über die 32.000 Jahre alten Höhlenmalereien. Timo Feldhaus blickt nun durch ein flaches Retina-Display auf die Anfänge der Kunst, um schnell in die Gegenwart zu driften: zu den Bildarchiven der Agentur Corbis.

 „Mass murder“, Installationsansicht; Blue Room, Night Gallery, Los Angeles 2014

„Mass murder“, Installationsansicht; Blue Room, Night Gallery, Los Angeles 2014

Die halluzinatorischen Räume Samara Goldens rufen Spiegelkabinette alter Jahrmärkte auf und den dunklen Glamour Hollywoods. Während das MoMA PS1 die in Los Angeles lebende Künstlerin vorstellt, geht Dorothée Dupuis der unheimlichen Kraft ihres Werkes nach und entdeckt zwischen dem schillernden Inventar des amerikanischen Heims eine widerständige Emotionalität.

 One Million Years [Future], 1980–1998 Zehn ledergebundene Bände mit maschinengeschriebenen Seiten, die den Zeitraum von 1997 bis 1.001.998 n. Chr. dokumentieren. Jedes Buch hat einen schwarzen Schuber; insgesamt 2000 Seiten.  31 x 25 x 8 cm Courtesy David Zwirner, New York/London 

One Million Years [Future], 1980–1998 Zehn ledergebundene Bände mit maschinengeschriebenen Seiten, die den Zeitraum von 1997 bis 1.001.998 n. Chr. dokumentieren. Jedes Buch hat einen schwarzen Schuber; insgesamt 2000 Seiten.  31 x 25 x 8 cm Courtesy David Zwirner, New York/London 

Am 17. September 1979 drückte On Kawara zum letzten Mal den Stempel „I GOT UP“ auf die Rückseite einer Ansichtskarte. Dann verschwand der Stempel zusammen mit Kawaras Aktentasche aus einer Stockholmer Hotellobby. Joanna Fiduccia begibt sich auf die Spur dieses mysteriösen Verschwindens und des labyrinthischen Eigenlebens dieser berühmten Chiffre der Konzeptkunst

 Photo: Zoë Fisher

Photo: Zoë Fisher

Ist es noch möglich zu vergessen?

 Jennifer Bartlett,  At the Lake , 1978 Einbrennlack und Siebdruck, Lack auf Stahlplatten; Öl und Leinwand (45 Platten und 2 Leinwände) Courtesy die Künstlerin und Richard Gray Gallery

Jennifer Bartlett, At the Lake, 1978
Einbrennlack und Siebdruck, Lack auf Stahlplatten; Öl und Leinwand (45 Platten und 2 Leinwände)
Courtesy die Künstlerin und Richard Gray Gallery

Künstlerassistenten sind im Kunstbetrieb omnipräsent und bleiben in der Regel dennoch fast unsichtbar. Namenlos verschwinden sie in den Ateliers ihrer Arbeitgeber, ihre Arbeitsleistung wird von deren Produktion aufgesogen und ihr häufig eigenständiger kreativer Anteil an den Werken geht vollkommen im Künstler-“Brand” auf. Aktuell zeichnet sich allerdings ein Wandel ab. Nicht nur, dass sich der Künstlerassistent als Beruf etabliert hat, die Assistenten beginnen aus ihrer Unsichtbarkeit hervorzutreten und ihre eigene Rolle als Künstler aufzuwerten. Hans-Jürgen Hafner skizziert, wie es dazu kam.

 © 2013 Untitled Rick Howard Company LLCC Courtesy of Warner Bros. Pictures

© 2013 Untitled Rick Howard Company LLCC
Courtesy of Warner Bros. Pictures

Einmal keine Ballerfilm-Science-Fiction-Fantasie, in der sich Menschen und Computer eine verwüstete Welt teilen. Der Film ist eine Liebesgeschichte mit den besten Absichten, der die komplizierte Gefühlswelt unserer post-digitalen Zeit einfängt.

Alexander Scrimgeour spricht mit Ben Vickers über Netzwerke und Institutionen, die Community als neues Gesellschaftsmodell und die Londoner Post-Internet Szene.

 About A B order, 2013 Diverse Materialien / Mixed media 8-teilig / 8 parts 280 x 520 x 274 cm Courtesy Galerie Nächst St. Stephan, Wien Photos: Markus Wörgötter

About A B order, 2013
Diverse Materialien / Mixed media
8-teilig / 8 parts
280 x 520 x 274 cm
Courtesy Galerie Nächst St. Stephan, Wien
Photos: Markus Wörgötter

Selbst wenn Heinrich Dunst die Register von Malerei und Performance zieht, ist der »Diskurs« das eigentliche Medium des österreichischen Künstlers. Umso wichtiger ist es, sein konzeptuelles Werk heute auch im Rückblick auf dessen Anfänge innerhalb der Wiener Szene der 80er-Jahre zu würdigen. Wenn der Diskurs der Kunst heute brüchig geworden ist, dann ist Dunst der richtige Mann, um noch die letzten bestehenden Verbindlichkeiten aufzulösen.

 Foto: Lukas Gansterer

Foto: Lukas Gansterer

Wie kommt es, dass aktuelle Kunst oft geschichtslos wirkt? Welche Bedeutung hat Kunstgeschichte für Post-Internet Art? Verändert sich durch die beschleunigte Zirkulation von Bildern, Geld und Daten der historische Orientierungssinn? Welche Rolle bleibt dem Kunstobjekt? Kolja Reichert diskutierte in unseren neuen Berliner Räumen mit der Künstlerin und Essayistin Hito Steyerl, der Kunsthistorikerin Susanne von Falkenhausen sowie zwei der vier Kuratoren der Berlin Biennale 2016: Lauren Boyle und Marco Roso vom Kollektiv DIS.

 Bildbeitrag: Mikko Canini

Bildbeitrag: Mikko Canini

Der Theoretiker über seine mehrteilige Beitragsserie in Spike

 The Force The Movie The Vague, mit Kööt Juurak CIAP, Hasselt 2011

The Force The Movie The Vague, mit Kööt Juurak
CIAP, Hasselt 2011

In den letzten Jahren zeigte die Kunstwelt ein immer stärkeres Interesse für Live-Acts und zeitbasierte Praktiken. Es wurde viel über Performance und Performativität geschrieben, aber es wurde denjenigen zu wenig Beachtung geschenkt, deren Arbeit die engen Grenzen der Disziplinen Tanz, Performance und bildende Kunst erweitert haben. Das versuchte Filipa Ramos, als sie den schwedischen Performance-Künstler-Tänzer-Choreografen-Produzenten-Autor Mårten Spångberg zu vier Begriffen befragte: Raum, Rhythmus, Erwartung und Verkörperung. Das Ergebnis dieser Begegnung lässt sich schwer beschreiben, da Gedanken, Konzepte und Wörter munter und wild herumsprangen. In einer so überwältigenden Geschwindigkeit, dass die Aufzeichnung selbst ein performativer Kraftakt war.

 Autarchy, 2010 Verschiedene Materialien Foto: Studio Formafantasma

Autarchy, 2010
Verschiedene Materialien
Foto: Studio Formafantasma

Das Designstudio aus Eindhoven durchbricht das Dogma vom Design als Gehilfen der Industrie und entwirft die Gegenstände der Zukunft neu.

 Kodak, 2006  Alle Abbildungen: © Tacita Dean, Courtesy Marian Goodman Gallery, Paris/New York, Frith Street Gallery, London

Kodak, 2006 
Alle Abbildungen: © Tacita Dean, Courtesy Marian Goodman Gallery, Paris/New York, Frith Street Gallery, London

Die britische Künstlerin, die zur Zeit die Turbinenhalle der Tate Modern bespielt, hat eine Reihe filmischer Porträts berühmter Männer gemacht. Unter ihnen Merce Cunningham, Mario Merz, Michael Hamburger oder Giorgio Morandi. Ein Gespräch mit Andreas Reiter Raabe über das Malerische, Licht, Farbe und Zuneigung.

 Art Club 2000, Untitled (Times Square / Gap Grunge 1), 1992-1993, C-Print

Art Club 2000, Untitled (Times Square / Gap Grunge 1), 1992-1993, C-Print

Rrose Sélavy, Vern Blosum, John Dogg: Warum erschaffen sich Künstler Alter Egos oder verbergen sich als Kollektiv hinter erdachten Charakteren? Martin Herbert folgt der Figur des fiktiven Künstlers durch die letzten hundert Jahre und entdeckt in ihm einen Spiegel der Veränderungen in der Kunstwelt. Manchmal ist eben eine Identität nicht genug

 "Untitled (Body Painting 2)", 2013; Acryl auf Denim und Tintenstrahldruck, Leinwand und 100 DVDs, 218 x 162 cm; Courtesy of the artist and Clearing, New York/Brussels

Production still aus "Painting with History in a room filled with men with funny names 3", 2015

Mit Installationen aus Jeansstoff, farbenprächtigen Malereien und spektakulären Videos hat es der Künstler in kurzer Zeit zu großer Popularität gebracht und scheidet damit die Geister. Von Harry Burke

Die Fotografien der jungen polnischen Künstlerin reflektieren die Bedingungen des Selbst im Zeitalter von Instagram. Sie spielen mit der Geschichte des Mediums und der Ambivalenz des fotografischen Bildes. In einem weiten Spektrum von „Fehlern“ entdeckt sie den empfindsamen, verletzbaren Körper.

 Paul Kneale Still aus  SEO and Co , 2014 Digitales Video, 30 Min., geloopt Von links nach rechts: Oscar Khan, Harry Burke, Nina Cristante  

Paul Kneale
Still aus SEO and Co, 2014
Digitales Video, 30 Min., geloopt
Von links nach rechts: Oscar Khan, Harry Burke, Nina Cristante

 

Die „Generation Weichei“ sei harmoniesüchtig, kritikunfähig und nicht lustig, schrieb Bret Easton Ellis in der Vanity Fair und holte einmal aus zum großen Rundumschlag gegen die heute 20- bis 30-Jährigen. Der Schriftsteller Harry Burke fühlt sich angesprochen und verteidigt seine Generation.

„Industrielle Faust (Psychose)“ ist eine Art Ode an die Härte des Industrial. Er gehört zu den „Mix Tapes“, einer Gruppe von vier Artikeln, die nach der Rolle digitaler Produktionstechnologien fragen, wie sie seit Ende der 1970er Jahre die Herstellung von Musik immer umfassender beherrschen. Inhaltlich orientieren sie sich an den Ambitionen akademischer Recherchen, formal imitieren sie die Sprache von Musik-Fachzeitschriften. Im Falle von „Industrielle Faust“ sind es rhetorische Mittel wie die Ich-war-dabei-Stimmung, saloppe Abgrenzungen, „Okay“-Einschübe und persönliche Bekenntnisse. Die Artikel spielen mit stilistischen Posen und beschreiben historische Entwicklungen mit weit reichenden Folgen. Inhalt wird immer wieder fetischisiert und das Verhältnis von Form und Inhalt aufs Neue pervertiert. Die Artikel werden im Rahmen von Ausstellungen präsentiert, in Zeitschriften publiziert, sie sind aufwww.distributedhistory.com kostenlos abrufbar und werden von einer käuflichen Bootleg-CD begleitet.

 Installationansicht »Bernadette Corporation: 2000 Wasted Years« Artists Space, New York, 2012.  Foto: Daniel Pérez

Installationansicht »Bernadette Corporation: 2000 Wasted Years« Artists Space, New York, 2012. 
Foto: Daniel Pérez

Die ausufernde, auf mehrteiligen Tafeln präsentierte Chronologie der Bernadette Corporation beginnt mit dem Jahr 1993, als Initiative einer gewissen »Bernadette« und ein paar Mitstreitern der lokalen Clubkultur.

 Yves Klein, Yves Klein in the Void Room (Raum der Leere), Museum Haus Lange, Krefeld, January 1961

Yves Klein, Yves Klein in the Void Room (Raum der Leere), Museum Haus Lange, Krefeld, January 1961

Natürlich muss immer wieder mal jemand einen Anfang machen. Oder zumindest behaupten, das zu tun. Jede/r für sich, wenn schon nicht Gott für alle. Zwar scheinen die Zeiten, da man sich Einen (Eine, Etwas) vorstellen konnte, der (die, das) schon immer – also auch vor dem Anfang – da gewesen und der Ursprung aller Dinge ist, der Vergangenheit anzugehören. Der Autorität von Ursprungslegenden hat das jedoch keinen Abbruch getan. Nicht nur, weil die alten Schöpfungsmythen schöne Bilder liefern, denen die Phantasie nachträumen kann. Vielmehr ist, wer beginnen will, notgedrungen mit den Anfängen anderer konfrontiert. Kaum von ungefähr gibt es in den Literaturwissenschaften einen ganzen Forschungszweig, der sich mit dem »incipit« beschäftigt – damit, wie Anfänge gemacht werden.

 The land foundation, Chiang Mai, Thailand, Courtesy neugerriemschneider, Berlin, Photo: Liz Linden  

The land foundation, Chiang Mai, Thailand, Courtesy neugerriemschneider, Berlin, Photo: Liz Linden

 

Er ist als »Koch-Künstler« berühmt geworden – ein Missverständnis, das die wirklichen Fragestellungen seiner Arbeit seit gut 20 Jahren nahezu verdeckt. Darüber, und über seine immer wieder überraschende Weise, die westliche Kultur mit der Geisteshaltung seiner Heimat Thailand kritisch gegenzulesen, hat Raimar Stange sich mit Rirkrit Tiravanija via E-Mail unterhalten.

 Cashmere Sweeter: Dan Bodan, die große Berliner Hoffnung  

Cashmere Sweeter: Dan Bodan, die große Berliner Hoffnung

 

Berlin Special: Ein Stream of Consciousness über die Berliner Kunstszene, die Theorie zum Lifestyle macht.

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Der amerikanische Kritiker Bruce Hainley nimmt einen Swag-Fehler von Justin Bieber zum Anlass, um über den Zustand der Kunst nachzudenken

 Piotr Uklanski & Hermann Nitsch Photo: Wolfgang Thaler

Piotr Uklanski & Hermann Nitsch
Photo: Wolfgang Thaler

In seinem Schloss spricht die legendäre Figur der österreichischen Kunst über sein Desinteresse an Politik und das Wesen des Seins.

 »Corporate Video Decisions«, 2011, Austellungsansicht, Friedrich Petzel Gallery, New York Courtesy the artist and Friedrich Petzel Gallery, New York

»Corporate Video Decisions«, 2011, Austellungsansicht, Friedrich Petzel Gallery, New York
Courtesy the artist and Friedrich Petzel Gallery, New York

Wann wird Kritik zu Kollaboration? Verstrickt die visuelle Darstellung eines Netzwerks, einer Unternehmensideologie, eines Werbeslogans den Betrachter in ihre Logik? Abwechselnd kritisch und komplizenhaft arbeitet Simon Denny mit Wissenschaftlern, Unternehmensbereichen, wiederentdeckten Institutionen wie auch mit Künstlern aus Gegenwart und Vergangenheit. Seine Installationen archivieren, klassifizieren und revisualisieren deren Strukturen und Methodologien. Pablo Larios untersucht, wie der in Neuseeland geborene und in Berlin lebende Künstler Fragen der Form und Repräsentation in seiner materiellen Archäologie des heutigen Verfolgungs- und Fortschrittswahns neu formuliert.

 Alien (James Franco), Cotty (Rachel Korine), Brit (Ashley Benson) & Candy (Vanessa Hudgens) Alle Abbildungen: © 2013 Wild Bunch Germany

Alien (James Franco), Cotty (Rachel Korine), Brit (Ashley Benson) & Candy (Vanessa Hudgens)
Alle Abbildungen: © 2013 Wild Bunch Germany

Harmony Korines neuer Film »Spring Breakers« ist die Antithese zu »The Hangover« und kitschigem Ich-hab-einen-Ständer-Klamauk. Als diabolischer Mädchenfilm führt er das derzeitige Lebensgefühl postpolitischen Grauens vor.

 Sam Pulitzer »Nine Scarlet Eclipses for ›Them‹«, 2013 Installationsansicht, Lars Friedrich, Berlin Courtesy der Künstler und Lars Friedrich, Berlin. Foto: Simon Vogel

Sam Pulitzer »Nine Scarlet Eclipses for ›Them‹«, 2013
Installationsansicht, Lars Friedrich, Berlin
Courtesy der Künstler und Lars Friedrich, Berlin. Foto: Simon Vogel

Auch dieses Jahr heißt es wieder: Schluss mit den Best-/Worst-Listen zum Jahresende. Es gibt immer mehr Kunst, unsere Aufmerksamkeitsspanne wird immer kleiner und Meinungen schwächer und konsensorientierter. Der Kritiker der überschwänglichen Huldigungen und bissigen Verrisse verschwindet in ein Schattenreich. Aber was ersetzt ihn? Nicht die Stimme der Gleichgültigkeit, sondern die Stimme des inneren Konflikts. Dekonstruiert und selbstbewusst, laut und klar, und entschieden präsent. Wir haben sechs Kuratoren und Kritiker eingeladen, sich an die Ausstellung zu erinnern, die sie weder verführte noch verärgerte, sondern ohne Urteil zurückließ.

 Daniel Hoesl

Daniel Hoesl

Die eigensinnigen Low-Budget-Produktionen des österreichischen Filmemachers Daniel Hoesl erzählen von beispielhaften Aus- und Aufbrüchen und einem verschmitzten, postheroischen Widerstand gegen normierte Milieus. »Soldate Jeannette« ist nach acht Kurzfilmen der erste Langfilm des ehemaligen Medienkunststudenten. In dem international preisgekrönten Werk treffen sich die Fluchtbewegungen zweier Frauen auf der Kegelbahn am Land. Die großbürgerliche Fanni ist pleite und flieht vor den Zwängen ihres durch Geld bestimmten Lebens, die jüngere Anna erträgt den Machismus am Bauernhof nicht mehr.

 What Sort of Man Reads Playboy?, 2010-12 Glitter, Öl, Collage auf Leinwand 137,2 x 124,5 cm Foto: Moritz Frei © Chris Martin Courtesy Chris Martin und KOW, Berlin

What Sort of Man Reads Playboy?, 2010-12
Glitter, Öl, Collage auf Leinwand
137,2 x 124,5 cm
Foto: Moritz Frei
© Chris Martin
Courtesy Chris Martin und KOW, Berlin

Die Malereien von Chris Martin erinnern zweifellos an »Outsider Art«. Jedoch nicht, weil sie intuitiv oder spirituell oder frei von allen Konventionen sind – all das sind sie ohne Frage –, sondern weil sie voller Zuneigung sind.

 Abbildungen:  Jordan Wolfson, (Female figure) 2014, 2014 Mixed media Courtesy the artist and David Zwirner, New York/London Photo: John Smith

Abbildungen: 
Jordan Wolfson, (Female figure) 2014, 2014
Mixed media
Courtesy the artist and David Zwirner, New York/London
Photo: John Smith

Jordan Wolfsons Roboter bedeutet für viele Besucher ein Erstkontakt – mit dem technologisch höchstentwickelten und auch unheimlichsten Automat, den sie jemals gesehen haben. Aber lohnt die Erfahrung im Galerieraum? Ein Roboter ist doch immer nur so böse wie die Welt, in die er gestellt wird.

 Movie Star Maps, 2014 Detail aus einer raumgroßen Installation mit Wandmalerei, Los Feliz, California Foto: Michael Underwood

Movie Star Maps, 2014
Detail aus einer raumgroßen Installation mit Wandmalerei, Los Feliz, California
Foto: Michael Underwood

Alex Israel ist 1982 in Los Angeles geboren. Seine künstlerische Praxis ist facettenreich, und er arbeitet in unterschiedlichen Medien, die den vielen und vielfältigen Schattierungen seiner Westküsten-Ästhetik Platz bieten. Die vergrößerten Sonnenbrillengläser, Airbrush-Selbstporträts und Hollywood-Requisiten verbergen einen Reichtum an persönlichen und popkulturellen Bezügen, der ihnen meisterhaft einen neuen Kontext gibt. „As It LAys", eine Serie von Videointerviews mit Prominenten über das Wundern und Staunen, das das Leben in L. A. mit sich bringt, hat seinen sonnendurchtränkten Werken große Aufmerksamkeit verschafft. Seit 2010 produziert Israel mit seiner Firma Freeway Eyewear Sonnenbrillen, für die seit kurzem prominente Künstler neue Looks kreieren. Die nächste Kollektion wird passend zur Urlaubszeit erscheinen. Israel ist ein sehr fröhlicher Künstler, der mit seinem gesamten Werk coolen Optimismus verbreitet. Was ist sein Geheimnis?