#45 Herbst 2015

next issue

9/11. Das griechische Referendum. Die Vernissage heute Abend. Die vielen Ereignisse, die nicht um das Spektakel ringen oder sogar unsichtbar bleiben. Das Ereignis birgt das Versprechen kollektiver Begegnung, es ist allgegenwärtig und selten. Wann beginnt es: Auf Facebook, wenn man durch die Tür tritt oder wenn der Livestream läuft? Oder erst, wenn etwas passiert, das nicht mehr rückgängig zu machen ist?

Views
New York; Berlin; Vienna; London; Mexico City; Los Angeles; Portugal; Switzerland
Seduction
or the things we like: by Than Hussein Clark, Daniela Stöppel, Alex Israel, Raphael Gygax, Elvia Wilk
Essay: ohne dich
Was, wenn ein Ereignis unsichtbar bleibt? Erst einmal: Es ist komplett egal, denn der Anthropozentrismus ist vorbei, und es ist Zeit anzuerkennen, dass es auch Ereignisse ohne menschliche Beobachter gibt. Der Theoretiker Benjamin H. Bratton über Googles Nest, eine Dose Mais im Supermarkt und die große Frage des Maßstabes.
Q/A Barbara Steiner
Was war das wichtigste an der Kunst der 90er Jahre?
Postkarte aus Las Vegas
Nach einer durchzechten Nacht flaniert Dean Kissick durch Las Vegas. Er begegnet Hoffnung und Elend, Mike Tyson und einer Stripperin mit echter Schusswunde.
Roundtable: The event
Wie haben sich Kunst und Theater im Zeitalter des Performativen verändert? Mit Matthias Lilienthal, Tino Sehgal und Carolyn Christov-Bakagiev
Curator's Key
Tim Griffin, Leiter von „The Kitchen“ in New York, über Lou Reeds Soundinstallation „The Drones“ (2008)
Q/A Benjamin Noys
Welche Ereignisse können die Geschichte verändern?
Gesellschaft am ende: Haben wir eine richtig gute schlechte zeit?
Ich war vor kurzem in Atlantis. Ich sollte gemeinsam mit Bodybuildern aus der untergegangenen Stadt ein Kunstwerk machen. Als ich mir letzten Winter dachte, dass Gewichtheben mich schön und stark machen würde, fing ich mit dem Hanteltraining an. Ich ging in ein Fitnessstudio in Kreuzberg, wo ich in meiner möglicherweise beschränkten Wahrnehmung im Großen und Ganzen zwei Typen von Besuchern erkannte. Die jungen nicht-weißen Arbeiterkinder aus dem Viertel und die jungen, vor allem schwulen weißen Männer, die, soweit ich es nach den subtilen Modesignalen
Theatre: Wir sind alle nur mention
Seit knapp 25 Jahren führt der Intendant Frank Castorf auf der Berliner Volksbühne ein grellmodernes Regietheater auf. Nach dem Mauerfall holte er Regisseure wie Christoph Schlingensief und René Pollesch an das Theater am Rosa-Luxemburg-Platz, die entmündigte Subjekte elegant durch abgedankte Ideologien stolpern lassen. Sie sprechen mit Stimmen, die ihnen nicht gehören. Und sie tun es nicht mehr lange. Jan Küveler weiß, was wir vermissen werden.