Q/A Kenny Schachter

Macht Kunst noch Spaß?

Kunst ist wie Kacke. Sie kommt einfach raus, wenn sie dich bewegt und begeistert. Freud behauptet ja, dass Kacken eine der frühen sexuellen Erfahrungen des Kindes ist. Genauso gut sollte sich Kunst anfühlen. Sie war immer ein Vergnügen (und auch lustig) für mich und hat viel mit Kindheit und kindischen Vorlieben zu tun. Selbst wenn die Kunstwelt richtig pervers und furchtbar ist (und das ist sie oft), begeistert, amüsiert und unterhält sie mich immer noch. Ich liebe sie wie am ersten Tag unserer dreißig Jahre langen Beziehung. Auch wenn es kitschig klingen mag, Kunst ist ein Geschenk, das man teilen muss, ein visuelles Mittel der Kommunikation, in guten Zeiten wie in schlechten – und wann schon hat der gesamte Erdball etwas zu lachen? Eigentlich vertraue ich in nichts mehr als in die Kunst (meine Familie nicht zu vergessen) und bin glücklich, mit ihr in so vielen Bereichen zu tun haben zu dürfen. Die Kunst und der Markt sind ganz verschiedene Spezien (der Markt stinkt mehr): Manchmal kreuzen sich ihre Wege, manchmal nicht (auch wenn es viele versuchen), aber die Freude an der Kunst ist ganz unabhängig vom Anteil am Kuchen (oder sollte es zumindest sein). Kann Kunst in einer Zeit ungekannter Verwirrung und Unsicherheit noch Spaß machen? Sollte sie das? Die Macht der Kunst übertrifft fast alles, sie ist die treibende Kraft des Wandels. Und darüberhinaus eine zum Besseren. Denn erwiesenermaßen macht Kunst auch gesund. Selbst wenn das Unglück über uns hereinbricht, wie die heutige politische Ordnung (oder ihr Fehlen), gibt es noch Spaß. Die transformative Kraft der Kunstbetrachtung erfüllt an sich mit Glück. Die Kunst ist Zuflucht, Heil- und Gegenmittel, heute mehr denn je.

Aus dem Amerikanischen von Christian Kobald

KENNY SCHACHTER Ist Autor, Kurator und Kunsthändler. Er lebt in London.