Splash Page der Berlin Biennale gelauncht

DIS irren durch Deutschland
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Heute hat die von dem New Yorker Kollektiv DIS geleitete 9. Berlin Biennale ihre Splash Page gelauncht. Für viele mag das kaum eine Nachricht sein. Sicherlich ist es der erste Newsletter in der Berliner Biennale-Geschichte, der durchs Netz geschickt wird, um einen grafischen Platzhalter anzukündigen. 

Aber für DIS, die sich vor allem durch ihre stilprägende Webseite einen Namen gemacht und vor dieser Biennale eh praktisch nichts kuratiert haben, ist dies wohl mitnichten nur ein Platzhalter. Die Startseite nimmt den gesamten Schirm ein. Dort wechseln sich 15 verschiedene Bilder ab, darüber fliegt ein Logo, das direkt an die Deutsche Bank erinnert. Unten das Datum des Biennalebeginns. Aber was zeigt DIS?

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Ein Trommelclub deutscher Rentner, ein leuchtendes Polizeiauto, eine Google Street View Ansicht, ein afrikanischer Flashmob im Newsroom, ein glückliches Touristenpaar in Berlin, Kim Kardashian auf dem Oktoberfest, eine asiatische Bildhauerin, süßer Hund, das planschende Kind, Handschlag vorm Reichstag, Akupunkturnadeln, Spargel. Die Spargelzeit beginnt! 

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Eine Welt, die brachial gesund aussieht, durch Fotos, die stark bearbeitet sind, die stets ihre Digitalität anzeigen, und dadurch doch einen Bruch im scheinbar komplett Bruchlosen erzeugen. Heiterkeit ist dort und Frohsinn, Deutschland ist dort. 

Kunst an sich bleibt in den Bildern weitgehend außen vor. Auf Alltagskultur wird ein touristischer Blick geworfen. Er entspricht dabei einer Ästhetik, die den von DIS selbst geprägten Codes aus Meme- und Corporate-Culture und slicker Stockphoto-Ästhetik folgt. Diese Visualität war trendtechnisch schon an sein Dead End geraten. Nun auf die Felder von Stadtmarketing und Lokalkultur übertragen, wird er wieder überraschend zwingend. Aber ist das der reine Blick von Außen? Die Amerikaner, die 2015 nach Deutschland kommen und die visuellen Codes des Landes entdecken und vorführen? Ist das distanzloser Zugriff, affirmatives Abbild oder Hyperkritik? Ist das Außen- oder Durchblick?   

Irgendwo aus dieser total flachen Ernsthaftigkeit und Offenheit heraus herrscht logischerweise, und mit jedem weiteren Bild drängender: Ironie. Irgendwo zwischen diesen geraden Bildern wackelt es beträchtlich. In die totale Kommerzialität ist eine schwer auf den Begriff zu bringende Fallhöhe eingebaut. Gleichzeitig komplett blöd, machen diese Bilder vor allem mächtig gute Laune. 

 

Noch zwei interessante Infos aus dem Newsletter: 

Verantwortlich für das visuelle Erscheinungsbild der 9. Berlin Biennale ist das Designbüro Meiré und Meiré.  

Und: 

„Die 9. Berlin Biennale wird den Hashtag #kunstcore verwenden – oder auch nicht“

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