#44 Sommer 2015

Wie beeinflusst das Digitale, die schnell zirkulierenden Bilder und hoch auflösenden Screens unser Sehen? Wie verändert es das gemalte Bild? Der Code der Malerei aktualisiert sich in langen Zeiträumen, in Feedbackschleifen, in Dialogen mit der Geschichte. Und stellt sich immer wieder dem Fortschritt in den Weg. Es muss tief gegraben werden, um herauszufinden: Was heißt es heute Bilder zu machen? Hier die Antworten der Malerinnen und Maler.

Views
Venedig Biennale; Susan Philipz, Theseustempel, Wien; “The Symptom of Art”, Cabinet, London; Cory Arcangel, Espace Louis Vuitton, München; Cyprien Gaillard, Sprüth Magers, Berlin; u.v.m.
Seduction
or the things we like: von Bonnie Begusch, Thomas D. Trummer, Harry Burke, Lisa Oppenheim, Christian Naujoks
Talk: Widerstand und das Digitale Erhabene
U., der (Anti-)Held in Tom McCarthys neuem Roman „Satin Island“, ist der Mann ohne Eigenschaften des 21. Jahrhunderts. Der „Konzernanthropologe“ soll den „Great Report“ verfassen, das „erste und letzte Wort über unser Zeitalter“. Die Herausforderung gleicht der, mit der sich Künstler heute konfrontiert sehen: Wie die unüberschaubare Landschaft der Gegenwart abbilden? Wie könnte Widerstand aussehen, wenn er denn überhaupt noch möglich ist? Spikes Editor-at-Large Alexander Scrimgeour diskutiert mit Tom McCarthy und dem Kurator Nicolas Bourriaud.
Künstlerbeiträge
Von Amelie von Wulffen, Marilyn Minter, Katherine Bernhardt, Ned Vena, Ulrike Müller
Postkarte aus Giverny
Der Künstler Clément Rodzielski fuhr auf Claude Monets Anwesen in der Normandie mit dem berühmten Seerosenteich, in dem manche den Ursprung der Abstraktion sehen.
Curator's Key: Laura Hoptman
Laura Hoptman, Kuratorin für Malerei und Skulptur am New Yorker MoMA, über „Kirschblüten“ (1991) von Bill Lynch
Artist's Favourites von Olivier Mosset
Natürlich liebe ich Kunst. „Sie ist meine Frau und mein Leben“, wie Lou Reed sagen würde. Aber Lieblingskünstler aufzuzählen wie Ninja Turtles – das ist als würde man sagen: Mozart ist großartig. Oder: Marx und Freud waren wichtig. So etwas kann man einfach nicht sagen, das sind Tatsachen. Einen „Dritten Mai“ auszuwählen, ein „Floß“, ein „Begräbnis“, eine „Barrikade“, ein „Mittagessen“, „Wasserlilien“ oder „Äpfel“, ist auch sinnlos. Das sind vielleicht Lieblingsbilder, aber für wen denn nicht? Wenn jemand sagt, „Les Demoiselles d’Avignon“ sei ein gutes Bild … klar, es ist ein Wahnsinnsbild.
Music: Living with Machines
If techno had its origins in the industrial sounds of Motor City, what sort of music corresponds to the screen-mediated environment we live and work in today? Maybe the haunting, radically anti-escapist collages that have brought Holly Herndon to fame since her debut album Movement in 2012. Listening to Herndon’s new album Platform, Alexander Scrimgeour considers our changing relationship with machines.
Portrait Julia Wachtel
In ihren Collagen ließ Julia Wachtel Anfang der 1980er Jahre die Bildwelten von Pop und Trash aufeinander krachen. Auch als sie sich der Malerei zuwandte, blieb sie ihrer Technik harter Schnitte treu – bis heute. Bob Nickas erinnert an die Zeit des Infotainment, als das Bildermachen neu erfunden wurde.
Exhibition histories
„Der zerbrochene Spiegel“, Vienna 1993 – Hans Ulrich Obrist erzählt Kolja Reichert von seiner ersten kuratorischen Überforderung: eine Bestandsaufnahme europäischer Malerei an der Seite von Kasper König